Nele Hirsch ist Erziehungswissenschaftlerin, Bloggerin, digitalpädagogische Ideenquelle, Organisatorin und Buchautorin. Auf ihrer Website ebildungslabor.de thematisiert sie im November '25 in einem Blogpost eine multimodale persönliche Krise.
Die Krisenphänomene von Hirsch haben viel mit KI zu tun, mit Machtungleichgewichten (schön beschrieben anhand von Kongressen), mit dem Erwartungsprofil des Publikums und der erwachsenenpädagogischen Szene im Feld "Digitale Bildung". Das ist erfrischend zu lesen, weil es so wahr ist. Auchist es als Pädagoge herzzerreißend mitzufühlen, wie schlechte Bewertungen das Selbstbild der Vermittlerin angreifen, wobei sie als Profi gleichzeitig weiß, dass sie die Erwartungen des Publikums - insbesondere nach leichten klaren Ja-Nein-Routinen, nach dem "funktionierenden Praxisrezept" letztlich enttäuschen muss.
Und dann sind da die anderen freien Kollegen, wie geht es denen eigentlich? Und als einen weiteren Grund ihres eigegen Frusts schreibt dann Hirsch:
Eine immer prekärere Situation im Bildungskontext und in der Gesellschaft
Zu all diesen persönlichen Wahrnehmungen und Einordnungen kam dann natürlich auch noch die bildungspolitische und gesamtgesellschaftliche Situation dazu. Im Bildungskontext nahm ich ganz direkt bei immer mehr Kolleg*innen wahr, dass sie sich innerlich zurückzogen und keine Kraft mehr fanden, sich einzubringen, wenn die Rahmenbedingungen sich doch immer weiter verschlechterten.
Es ist ein lesenwerter Beitrag, der die aktuellen Vibes - Hirsch thematisiert nur Vorkommnisse des laufenden Jahres 2025 - in der freien Bildungsszene ziemlich gut trifft. Auch und besonders hinsichtlich des KI-Tsunami, der eine massenhafte Inhaltsproduktion für jedermann ermöglicht.
Eben das geht Hirsch an die unternehmerische Substanz, wie sie selbst schonungslos analysiert:
Vor der Veröffentlichung der jetzigen generativen Sprachmodelle war Produktivität im Sinne von ‚in kurzer Zeit viele Inhalte erstellen‘ ein gefühltes Alleinstellungsmerkmal von mir. Über diese Inhalte kam ich in Resonanz mit anderen Menschen und darüber funktionierte auch mein Geschäftsmodell des Teilens. Jetzt nahm ich plötzlich überall immer mehr und immer professioneller anmutende Texte und Bildungsinhalte wahr.
