Honorardozentenblues

Textspuren eines buchbaren Bildungsexperten

Himmel, Hölle, Honorar

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Was macht ein freiberuflich tätiger Erwachsenenbildner eigentlich so, wie sieht der Job aus? Die wissenschaftliche Antwort, klaro, "Es kommt darauf an." Denn diese spezielle Beratungsleistung "Fortbildung", findet in so vielen Formen, Arten und Kontexten statt, dass eben dies ein Problem der Branche ist - wie ie sich selbst gebnau feststellen soll und will. Also funktionjiert ein Szenario besser: Du bist Lehrerin für Yoga und unterrichtest Französisch an der VHS. Oder Du bist Reittrainerin und machst Outdoor-Angebote. Oder du hast ein Staatsexamen und bist fest-freie Dozentin an einer Schule oder Hochschule. Ode eben als Einzeldozent im Trägerwesen bei einer Institutionals entweder als Nur-Auftreter, Angedockter oder Eingecheckter (mehr zu dieser Typologie später)

Also wie gestaltet sich die Rolle eines modernen, pädagogisch ausgerichteten Wissensarbeiters?

Meine Antwort ist, dass das Rollenbild eines Honorardozenten einer Zwiebel gleicht, von einer Anspruchsperspektive aus . Es überstülpen und überlagern sich mindestens vier Schichten bzw. Erwartungshorizonte:

Erstens, innen und im Zentrum befindet sich das Improtheater Unterrichtsraum, in dem man lehrt und lernt. Darüber liegt als Schicht das Gewebe aus Curriculum, Lernzielen, Unterrichtsmedien und der Überwachung dieses Gewebes durch den/die jeweiligen Träger (schöne Koinzidenz: Trägerschicht). Darüber wiederum liegt als Schicht, die der Auftrags- und also Geldgeber. Hier befindet sich auch, abweichend vom Zwiebelmodell jetzt parallel, die Lebenswelt der Teilnehmenden außerhalb des Unterrichts. Und als Schicht liegt über allem das Gewebe der deutschen Bildungs- und Sozialpolitik, deren gesetzliche Rahmenbedingungen weite Teile der insgesamten Wertschöpfungskette bis hinunter und hinein in den Unterrichtsraum prägen.

(tobedone) Abb.1: Unwissenschaftliches Diagramm der Schichtenmodelle des Honorardozententums (quelle:eig.darst.)

Der Rollenbegriff

Der Rollenbegriff ist von je her ein eigener Diskursstrang in der Soziologie und Personalpsychologie. Ich würde hier einerseits bei Linton (1936) bleiben, der Rollen als Anforderungsmuster definiert hat, die aus Erwartungen, Werten, Handlungsmustern und Verhaltensweisen bestehen. Andererseits ist man modern und kennt bzw. nutzt auch fluide Konzepte der Rolle, um neue Erzählungen zum “Experiment Gesellschaft” möglich zu machen (link fluide rolle).

Aber zurück zur Zwiebel: Die Benefits des Berufs liegen im Zentrum, im Unterrichtsraum und der Unterrichtszeit mit den Menschen dort und den gemeinsamen Lernerlebnissen, die regelmäßig vorkommen und etwas Neues in die Welt bringen.

Diese Kreativität, und das ist der zweite große Benefit, wird fast nie geprüft oder gemessen, eingegliedert oder untergeordnet. Du unterrichtest Deinen Unterricht und dazu gehört auch das Recht - Tusch! - früher aufzuhören. Oder mal etwas ganz anderes zu besprechen. Oder neue Lernformate durchproben. Denn die Teilnehmenden sind - erneut Tusch - erwachsene Leute, jedenfalls ziemlich. Oder kurz: Als Dozent regierst Du dieses Zentrum, wenn du mit Leuten kannst und firm im Stoff bist - mit enormer Souveränität.

Dazu ist der Job multiperspektivisch: Man hat 4-8 Inhaltstöpfe bei 2-4 Trägern und kommt so an 30 bis 60 Leute pro Halbjahr, die man an unterschiedlichen Orten schult. Man selbst ist lernbereit und lernerfahren und möchte deswegen ‘vielfältig’ sein. Man bleibt dabei offen für Neues und liest immer mit, wo man noch - in seiner Sparte - unterrichten könnte.

Doch betritt man mit diesem Suchen die zweiten (Träger-)Schicht, die rund um die Freiheiten der Seminarstunde liegt, wie die Gummiwand des Aufblasbeckens rund um das Wasser. Die Trägerschaft des Unterrichtsgeschehens, die Veranstalter. Und diese sind immer eine Organisation, die Dir gegenüber als Einkäufer von Unterrichtsstunden und sonst nix auftreten. Das bedeutet im Umkehrschluss:

kein Kollegium keine Zuzahlung zur Rente keine Zuzahlung zur Krankenversicherung kein bezahlter Urlaub keine bezahlten Krankentage keine Berufsgenossenschaft oder sinnvolle Gewerkschaft Fortbildung? Mal sehen, wahrscheinlich nicht durch den Träger, wenn nicht unbedingt notwenig.

Tja. Was nun? (Die nächste Schicht kommt morgen oder die Tage. Ich muss jetzt weiter) Technik Online

Ich habe es weiterhin noch noch nicht geschafft, den Community-Support für dieses Hugo-Theme zu kontaktieren. Also lernt man sich weiter Hand zu Fuss in diese sehr spezielle Blogging-Maschine ein. Dafür auch - postum - vielen Dank an Natenom, der kleinformatig über seinen wunderbaren Hugo-Blog geschrieben hat.

Aber offen ist noch sehr viel: Typografie, neue Kategorien, Startseite, bessere Suche, Seitenleiste für die Startseite, Bilder leicht einbinden, usw. usf.

First published:

Do|26.Sept.24|18:42 https://honorardozentenblues.de/posts/2024-09-himmel-hoelle-honorardozent/

Wie wird man Honorardozent?

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Stellenanzeige, Code Null: “Wir suchen Sie als Honorardozent/Honorardozentin (m/w/d) für …” Stellenanzeigen beispielhaft für Honoradozententum

((Bilder fehlen)) Das Tor zur Bildung in Blau, Rot und Gelb: Werden Sie bei uns Honorardozz!

Das Tor zur Bildung in Blau, Rot und Gelb: Werden Sie bei uns Honorardozz

Honoradozentin/Honorordozent ist, wer ohne eigenes Büro in fremder Leut’ Räumen steht und dort Klugheit und Struktur an weitere Leute verbreitet, die eben diese Räume nicht besitzen oder beherrschen, die aber per innerem Antrieb, einzeln und jetzt gemeinsam, das deutsche Bildungssystem in dieser Form herstellen. Hätten Sie dazu noch Fragen?

Ich unterrichte seit 2003 selbst habe einen konsekutiven Master in Erwachsenen-und Weiterbildung (PH Ludwigsburg) plus eine Daf/DaZ-Zusatzqualifikation von dort, die mich seit 2021 BAMF-tauglich macht. Ich habe auch ein wenig an der PH mitgearbeitet und in dieser Zeit und danach äußerst spärlich in der Erziehungswissenschaft publiziert. Ich begreife mich heute ausdrücklich und vorrangig als theoretisch fundierten, kritischen Erziehungswissenschaftler. Aber die Co-Agenten in mir sind noch der Werbetexter, der ich knapp zehn Jahre lang war, der Publizist und damit auch der Störenfried.

Denn biografisch bin ich nach der Grundschule primär in die Redaktion der Schülerzeitung gestürmt, die mein neues Gymnasium im Speckgürtel von Stuttgart nun 1975 schon hatte. Dort fing ich mit wirklich jämmerlichsten Versuchen an, aber ich lernte die Tätigkeit “redaktionelle Arbeit - erledigen und ertragen”.

Ich wechselte schnell das Gymnasium und ging dort wieder direkt zur nächsten Sitzung der Schülerzeitung (ich meine mich zu erinnern: “Der Lapsus”). Dort war Michael Staab funkensprühender Chefredakteur und mein Anleiter und ever since habe ich Medien gemacht. Dies in den Rollen von Ideengeber, Editor, Journalist, Anarchist und Aktivist. Ich habe später noch genau ein Buch herausgegeben, dutzende von Webseites, unzählige Fanzines, Flugblätter, Konzepte, Skizzen und Plakate. Ich kam über diese Fähigkeiten zu zwei Vereinsvorsitzen und habe damit etliche Kunst- und Stadthappenings bestritten (Tübingen, Friesenhofen, Tiefbahnhof Stuttgart).

Ich droppte schließlich mit 18 aus dem lahmen Gymnasium aus, hatte also die “Mittlere Reife”. Ich habe den Begriff immer gehasst und wollte ihn immer loswerden. Ich arbeitete nach der Schule als kleiner Privatfisch als Landschaftsgärtner, Druckerlehrling, Möbelfahrer, Hausrenovierer, Fremdenführer, Küchenjunge, Paketdienstleister, Werbetexter, Technischer Redakteur und Student. Letzteres ab 52.

2016 begann mein Studium und darin verlangte der sehr respektable und gleichzeitig sehr sympathische Herr Prof. Dr. Rüdiger Hein ein abgehaltenes Meditationsseminar als Prüfungsleistung. Es war mit die beste Prüfung an der PH und sie brachte mich auf die Spur.

Denn parallel wurde zu dieser Zeit selbst mir klar- drittes Semester, 2019 oder so - dass man als “Honorardozent” auch als 54jähriger Studi etwas dazu verdienen konnte und sollte. Dazu auch der Kick aus demn theoretischen Höhen des Studiums - jetzt Praxis und so. Und so kam ich unter die Dozentenschaft …

Eine nicht weitab gelegene VHS suchte eine Deutschkraft für die Grundbildung, ich bewarb mich und bekam den Job. Dann folgte ein steiler Lernanstieg meines Professionswissens, ausgelöst durch einen Frontalkontakt mit den Realitäten des VHS-Alltags als Honorardozent für und in der Grundbildung.

Der adäquate Einstieg war die Location: Im sechsten Stock eines überdimensionierten Einkaufszentrums gelegen, erreichte man nach ausgiebigem Treppensteigen und schließlich über die locker bepflanzte Dachterrassse mit tollem Blick - - - einen Kelleraum! Denn der zentrale Seminarraum war mit Sichtblenden nach draußen verhängt. Die Sichtweite betrug ca 1,5m, Besuchsfrage ansonsten: “schlechte Einliegerwohnung erwischt?” Es war unglaublich. Vor dieser schattigen Hochhaus-Krypta dann ein schmaler, verwinkelter Vorraum mit Garderobe, irgendwo ein Kopierer, hier ein Tisch für die Kinder, da zwei Toilettenn in halber Handtuchbreite. Lüfter kaputt, Klopapier dünn. Und wohin soll das halb zerfallene Whiteboard hier vorne? Da liegen ein paar Bücher, start Morgen um 16:00, neun Teilnehmer bis jetzt, mal sehen. Welcome at the Bildungsfront. ✊ Technik Online

Ich habe es noch nicht geschafft, den Community-Support für dieses Hugo-Theme zu erreichen. Immer noch spuckt das Template völlig unsinnige Datumsformaten aus. Dazu gibt es andere Hangups … pleaze be patient. Alle zusammengesetzten Dinge enthalten Unbefriedigendes.


firstpublished: Di|24.Sept.24|20:02 https://honorardozentenblues.de/posts/dozentenalltag/240924__post2_themenspektrum-als-liste-u-perspektiv

Technik und Ziele dieses Blog

- Veröffentlicht unter Fortfolgende Notizen von

Guten Tag. Die Technik ist zusammengeklickt, die Ziele müssen noch genauer formuliert werden. Schön, dass es los geht

Nach dreimaligem Anlauf, hat man sich webtechnisch das Hugo-Theme zusammengeklickt. Die Technik läuft, ist allerdings noch voller Spuren der (technisch sehr viel besser agierenden) Template-Herausgebern. Diese scheinen noch hier und dort durch, was ich zu verzeihen bitte. Bis man es besser weiß, bis es besser aussieht, soll es dennoch jetzt losgehen.

Mission Statement

Hier und heute verspreche ich, in diesem Blog die Wahrheit zu sagen, die ganze Wahrheit und manchmal noch mehr als die Wahrheit und zwar Mithilfe jener “produktiven Fantasie”, deren Mangel schon Oskar Negt beklagte und die also notwendig ist, um gute Bildung zu betreiben. im legendären Interview von Stollmann & Schulte (2015) “Der Maulwurf kennt kein System” sagte er:

Oskar Negt

Kritik besteht darin, die Sachen so zu wenden, daß die besseren Möglichkeiten öffentlich werden können.

The Songline

Also: Ich arbeite jetzt seit etwa fünfzehn Jahren als freier Honorardozent in Süddeutschland und es muss mal irgendwo erzählt werden - praxisnah, herrschaftsfrei und gegen den Strich - was die Branche so produziert, wie die historischen Winde wehen, wen man da trifft und was da so läuft. Dafür muss ich natürlich auch viel über mich erzählen, ich werde meine Spuren in der hiesigen Bildungslandschaft rekapitulieren, kommentieren und anreichern. Mir ist auch bewusst, das ich als sechzigjähriger, alter weißer Mann in der Profession insofern in einer eine Minderheit bin, als dass die deutsche EB (Abkürzung Erwachsenenbildung, ich muss irgendwo noch einen Index anlegen, später dann) zu über 70% durch Frauen in höherem Alter vertreten ist, jedenfalls wenn man im Fußvolk mitmischt, so wie ich das tue. Also eine sehr anekdotisch angereicherte Sicht, die aber die Bildungswissenschaften nicht verleugnen will.

Dies wäre übrigens schon ein erstes Thema dieser Texte, das Binnen-Gender-Profil der deutschen EB oder kurz gesagt: "Die Fortbildung ist weiblich" und dies eben auch aufseiten der Kollegien, dann ist es auch ein Bericht aus genderaffiunen Subkulturen. Und wie dort Macht verhandelt wird. Das muss kritisiert werden, denn

Michel Foucault, 1969

„Kritik ist die Kunst, nicht so dermaßen regiert zu werden"

Mehr dazu auf den Blogseiten dieser Online-Publikation.

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First publshed under:

September 23, 2024 interna https://honorardozentenblues.de/posts/dozentenalltag/240923__post1_bescheidener-start/ Technik und Ziele

Blind Willie McTell

- Veröffentlicht unter Internes von

Dieser Song war definitiv mit Geburtshelfer und wichtig bei der Entstehung dieses Medienkanals.

Take it away, Bob:
Nobody can sing the Blues like - Blind Willie McTell

Blind Willie McTell performs in a Backroom ca. 1924